25.11.2025
Anja von Kampen und Knitzsche, der kleinste Philosoph der Welt. Anja von Kampen
Impuls von Dr. Antje Fetzer-Kapolnek

Herzenbildung

Vielleicht haben Sie es schon gesehen: am Mittwoch, 26. November, 19.00 Uhr kommt Anja von Kampen mit ihrem kleinen Zeichentrickphilosophen namens »Knietzsche« zu uns nach Beutelsbach. Knietzsche, der die Welt von innen heraus verstehen will, wird mit seinen Zuschauern die »Herzensbildung« erkunden. Ein spannendes Thema, das uns alle betrifft. Sind wir als Menschen so, wie wir es uns wünschen? Sind wir rücksichtsvoll, tolerant, großzügig, weise, gerecht, witzig, fair…? Diese Frage stellen wir uns nicht erst heute. Offensichtlich gab es auch um das Jahr 700 vor Christus schon Menschen, die sich Gedanken darüber machten.

Micha, der Prophet, der uns mit seinem geflügelten Wort »Schwerter zu Pflugscharen« auch als Garant einer Friedensethik im Kopf ist, beantwortet die Frage seiner Zeitgenossen nach dem rechten Lebenswandel so: »Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert; nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.« (Micha 6,8) Drei Hinweise sind in dieser Antwort verknüpft, die wir heute nicht mehr ohne weiteres verstehen oder unter-stützen können:

  1. Gottes Wort halten: Der erste Hinweis betrifft die inhaltliche Orientierung für unser Verhalten. »Gottes Wort halten«, das bedeutet, in den wichtigen Dingen des Lebens den Rat der Bibel zu suchen, intensiv die Bedeutung fürs eigene Leben zu erforschen und sich für einen verantwortungsvollen Weg zu entscheiden.
  2. Liebe üben: Das Verfolgen jeder reinen Lehre hat aber die Gefahr, dass wir mehr darauf achten, nichts falsch zu machen, als dem anderen, der uns braucht, liebevoll entgegenzukommen. Gottes Wort zu halten, kann aber nicht im Widerspruch stehen zu einem Verhalten, das sich vor allem an dem ausrichtet, was dem anderen hilft und ihm guttut. Es ist vielmehr ein zweites, wichtiges Charakteristikum der Reife eines Menschen.
  3. Demütig sein vor Gott: Der dritte Hinweis betrifft einen Beziehungsstatus. Gut handeln, so hören wir, könne nur, wer sich im Zweifelsfall unter Gottes Wort beugt und nicht meint, klüger zu sein. Keine Liebe ohne Demut. Keine gute Tat ohne tiefen Respekt vor dem, der selbst bereit war, sein Leben für seine Freunde zu geben.

Diese drei Hinweise des Propheten Micha auf die Kriterien einer guten Entscheidung können wie ein dreifaches Sieb auf jeden Handlungsimpuls angewandt werden, bei dem wir uns nicht sicher sind, ob er Gutes bewirkt. Das erste Sieb fragt danach, ob die Handlung in Einklang mit den Weisungen und Perspektiven der biblischen Texte steht. Das zweite Sieb prüft, ob die Handlung auch von Liebe durchdrungen und geleitet sei. Das dritte Sieb wendet sich von der Handlung zu ihrem Urheber. Nur wer persönlich integer bliebt und Gott allein die Ehre gibt, ist geeignet, eine »gute Handlung« zu vollbringen. Keine noch so gute Absicht kann bestehen, wenn sie von einem haltlosen Menschen ausgeführt wird, dem weder Gott noch Mitmenschen heilig sind. Micha gibt uns mit seinem Prophetenwort also eine gute, anspruchsvolle Anleitung, Gutes zu erkennen und zu praktizieren. Die dreifache Kunst heißt: Gottes Wort halten, Liebe üben und demütig sein vor Deinem Gott.

Allein wird uns das kaum gelingen, und deshalb erinnern wir uns gerne an die Voraussetzung, ohne die kein Verhalten jemals gut genannt werden kann: die Gemeinschaft, die dem Menschen, der sich entscheiden muss, einen Platz in ihrer Mitte bietet; die Gemeinschaft, in der liebevollen Zuwendung spürbar wird und schließlich die Gemeinschaft, die wie Gott, Demut erfordert, weil sie größer ist, als die Anliegen des einzelnen.

Wagen wir uns trotz dieser vielen Voraussetzungen mutig daran, ganz einfach zu handeln! Unser Denken soll uns niemals daran hindern, dass gute Taten geschehen oder gute Entscheidungen getroffen werden.

In diesem Sinne: Auf zu Knietzsche und der Frage nach der Herzensbildung!

Ihre Antje Fetzer-Kapolnek