29.07.2025
Dr. Antje Fetzer-Kapolnek, Theologische Vorständin und Oberin der Stiftung Großheppacher Schwesternschaft
Stiftung Großheppacher Schwesternschaft

Impuls zum Schuljahresende

Ein reich gefülltes Schul-, Kindergarten- und Sitzungsjahr liegt hinter uns. Auch diejenigen, die nicht im Bereich Fachschule oder KifaZ tätig sind, erleben den Rhythmus, den ein Schuljahr gibt: Z.B. an den eigenen Kindern oder in der beruflichen Terminplanung. Es ist Sommer, und viele von uns haben schon sehr lange darauf hingefiebert.

Im Pflegebereich, der wie das Leben selbst niemals ganz Pause macht, bedeutet die Sommerpause neben der verdienten Entspannung auch eine höhere Anspannung. Wo viele gleichzeitig in den Urlaub fahren, braucht es gute Planung und einige Solidarität, die wichtigen Dienste verlässlich zu besetzen.

Und dann ist endlich Sommer. Was heißt Sommer für Sie? Ich finde, es tut sehr gut, einmal aus dem Alltagsrhythmus auszubrechen und zwei, drei Wochen lang etwas ganz anderes zu sehen. Eine Landesgrenze zu überqueren. Einmal gar nichts zu müssen. Lange auszuschlafen, am Strand zu liegen. Eine andere Sprache zu hören und sich selbst daran zu versuchen. Frühmorgens in die Berge losziehen, den eigenen Körper spüren und abends müde ins Bett fallen. Im Meerwasser paddeln und sich tragen lassen. Das alles sind wohlige Sommerbilder. Der Monatsspruch des Augusts steht im ersten Moment ein wenig quer zu so viel Entspannung und Abschalten.

In Apostelgeschichte 26,22 sagt Paulus: „Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge.“ Der Apostel beginnt hier mit einer Verteidigungsrede. Er ist des Aufrührertums und der Agitation gegen die Juden angeklagt. Sein Prozess zieht sich sehr in die Länge. Ein vorläufiger Höhepunkt ist die Rede vor König Agrippa und Statthalter Festus. Anspannung, hoher Druck und stark ungleiche Machtverhältnisse kennzeichnen diese Szene. Doch Paulus scheint gar nicht aufgeregt. Er stellt voran, was ihn ruhig macht und worin er seine Sicherheit gründet:

1. Gott hat ihm immer geholfen und
2. Er ist hier als Gottes Zeuge, d.h. seine Gefangenschaft hat einen tieferen Sinn. Nichts ist zu spüren von Hilflosigkeit oder auch nur Irritation.

Paulus ist völlig souverän. Er hat sich sortiert. Konfrontiert mit den Mächtigen seiner Zeit, den Hohepriestern, Statthaltern und Königen, hat er die Idealform seines Zeugnisses gefunden: Er erzählt seine eigene Geschichte: Davon, wie er selbst zunächst die Christen massiv verfolgt hat; wie er bei Damaskus geblendet und zum Nachdenken gebracht wurde; und wie er seither im christlichen Glauben gewachsen ist.

Was lernen wir daraus? Auch dazu kann der Sommer eine Gelegenheit sein: dass wir, befreit vom Alltagsdruck, unsere Mitte suchen und überlegen, was uns im Leben wirklich wichtig ist. Dazu braucht es nicht gleich eine Verhaftung wie bei Paulus. Es genügt, sich die Frage zu stellen: wo habe ich auf meinem Weg Gottes Hilfe erfahren? Dadurch merken wir, wie entscheidend Dankbarkeit für unser Leben und Zusammensein ist. Denn Dankbarkeit stiftet Verbindung und kann selbst die konkrete Sinnerfahrung sein, die wir brauchen. Mögen die Strandtage, die Bergwanderungen, das Treiben auf dem Meer uns auch dazu Gelegenheit bieten: Dankbarkeit zu spüren und sich bewusst zu machen.

Natürlich war im vergangenen Jahr auch vieles herausfordernd und nicht leicht. Aber Dankbarkeit bleibt mein wichtigstes Gefühl: Dank an Antje Helmond, meine scheidende Kollegin, Dank an Sie, den lieben Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitarbeitende und Ehrenamtliche, liebe Mitglieder der Diakonischen Gemeinschaft, liebe Schüler*innen und Bewohner*innen, liebe Familien und Angehörige, liebe Teilnehmer*innen und Interessierte: Für die Möglichkeit, so viele gute Angebote zu gestalten. Für Ihr Interesse an der Stiftung. Für das Engagement, mit dem Sie sich einbringen. Für die konstruktive Kritik, die dazu führt, dass wir Fehler sehen und verbessern können. Für die Gemeinschaft, die das Leben und Arbeiten in der Stiftung besonders macht. Gott segne ihren Sommer und lasse sie spüren, dass sie hoffnungsvolle Spuren hinterlassen.
Ihre Antje Fetzer-Kapolnek