Wilhelmine Canz – die Gründerin der Großheppacher Schwesternschaft

1815 Am 27. Februar wird Wilhelmine Friederike Gottliebin Canz in Hornberg im Schwarzwald geboren. Die Eltern: Gottlieb Eberhard Friedrich Canz, Oberamtsarzt, in zweiter Ehe verheiratet (1811) mit Christina Wilhelmina Gottliebin geb. Cronmüller.Sie stammte aus Oberurbach im Remstal.

1823 Wilhelmines Vater stirbt am 8. Juli.

1824 Nach dem frühen Tod ihres Mannes zieht die Mutter mit Wilhelmine und deren älterem Bruder Karl im Juli in die Universitätsstadt Tübingen. Dort studiert der Bruder Theologie, und Wilhelmine kann über Jahre hinweg an Privatstunden im Hause eines Professors teilnehmen.

1839 Karl Canz wird auf seine erste Gemeindepfarrstelle – Buchenberg bei Königsfeld – berufen. Er hatte dringend gewünscht, dass Mutter und Schwester zu ihm ziehen möchten. Bis dahin war Karl Canz ein begeisterter Anhänger des großen Philosophen G. Fr. W. Hegel. Der Bruder versucht, Wilhelmine von den Gedanken Hegels zu überzeugen und sie für diese Philosophie zu begeistern. Die Begegnung mit der nahe gelegenen Brüdergemeine in Königsfeld mit ihren täglichen Losungen verstärken ihre innere Hinwendung zu einem bewussten persönlichen Glauben an den dreieinigen Gott.

1844 wird Karl Canz Pfarrer in Bischoffingen (Kaiserstuhl). Wieder begleiten ihn Mutter und Schwester. In dieser Zeit beginnt Wilhelmine Canz mit dem Schreiben ihres dreibändigen Romans „Eritis sicut Deus“ („Ihr werdet sein wie Gott“).

1845 Von diesem Jahre an ist man im Pfarrhaus in Bischoffingen mit der Anstalt in Leutesheim, später in Nonnenweier, in Verbindung und interessiert sich für die Sache der Kleinkinderpflegen.

1846 und 1847 beschäftigt Wilhelmine Canz der Gedanke, eine Kinderschule einzurichten, „weil man beim Bauen am Grund anfangen soll“. Im eigenen Hof und der eigenen Scheune – andern Platz gibt es nicht – ist Raum für die erste Kinderpflege. Dies war der arme Anfang einer Sache, die für das spätere Leben der Wilhelmine Canz von größtem Einfluss war.

1850 stirbt die Mutter in Bischoffingen. Im Herbst besucht die Hausmutter der Anstalt in Nonnenweier, Regine Jolberg, die Kinderschule in Bischoffingen. Sie erwähnt, wie nötig es wäre, dass man Mutterhäuser gründet, um Kinderpflegerinnen für diesen Beruf auszubilden.

1853 erscheint im Verlag des Rauhen Hauses in Hamburg anonym der Roman „Eritis sicut Deus“. Er erlebt zwei Auflagen. Das Honorar der ersten Auflage überlässt Wilhelmine Canz ganz dem Rauhen Haus. Inhaltlich ist das schriftstellerische Werk geprägt von der Darstellung der Lebens-, Glaubens-, Liebes- und Ehekrisengeschichte einer Elisabeth Schärtel mit ihrem Ehemann Robert.

1854 Anfang September reist Wilhelmine Canz nach Stuttgart. In ihrem Herzen trägt sie immer noch die Aufforderung der Regine Jolberg, den Anstoß zu geben zur Errichtung einer Anstalt für die Ausbildung von Kinderpflegerinnen und eine Hausmutter dafür zu suchen. So geht sie zu Prälat Sixt Carl Kapff, kommt aber zu ungelegener Stunde. Er vertritt die Meinung: man soll dem kleinen Württemberg zu seinen 22 Rettungsanstalten keine weiteren Anstalten zumuten. Am 11. September stirbt ihr Bruder. Der plötzliche Tod zwingt Wilhelmine, ihr Leben neu zu ordnen. Ihre Schwägerin zieht wieder in ihre Heimat, in die Nähe ihrer Eltern. Wilhelmine Canz schreibt daraufhin Prälat Kapff, der ihr am 8. November antwortet: Wenn man einen Turm bauen wolle, müsse man fragen, ob man es habe hinauszuführen, und sie hätten es n i c h t .

1855 In einer kleinen Gesellschaft erzählt Wilhelmine Canz von dem Plan, eine Anstalt zu gründen. Dabei gehen ihre Gedanken immer ins Remstal, aus dem ihre Mutter stammte. In dieser Zeit erreicht Wilhelmine die Nachricht, Assessor Clausnitzer lasse sie bitten, ihn in Stuttgart aufzusuchen, er möchte mit ihr über die zu errichtende Anstalt sprechen. Am 22. Juni findet dieses Gespräch statt, in dem er ihr u. a. sagt: „Suchen Sie sich einmal ein Komitee; mit dem wird dann auch die Zentralleitung des Wohltätigkeitsvereins in Verbindung treten und einen Beitrag geben.“ Damit war Wilhelmine Canz entlassen, die nun den Entschluss fasste, jetzt nichts mehr zu tun und nirgends mehr hinzugehen bis von einer geordneten Behörde, von Pfarrer und Schultheiß, aus einem Dörflein ein Ruf kommt. Und schon am anderen Tag kommt „ein Ruf“ aus Großheppach. Pfarrer Spring schreibt ihr: Er sei unmittelbar nach ihr zu Assessor Clausnitzer gekommen und habe gehört, dass sie beabsichtige, im Remstal eine Anstalt für Kinderpflegerinnen zu gründen. In seinem und im Namen des Herrn Schultheißen lade er sie ein, solches in Großheppach zu tun. Nachdem die Haus- und andere Fragen mit Pfarrer Spring und dem Kirchenkonvent geklärt waren, fährt Wilhelmine Canz von Stuttgart mit dem Eilwagen bis Waiblingen und wandert dann mit ihrem Gott allein durch das schöne Remstal der Stätte zu, die sie aufnehmen sollte, „wo mich niemand kannte, und wo ich niemand kannte“.

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Ausdruck vom 29.11.2020
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