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Wilhelmine
Canz |
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Gründerin
der Ausbildungsstätte für Kleinkinderpflegerinnen in Großheppach.
Auch das
weibliche Geschlecht hat den Beruf
zur Arbeit im Reich Gottes, und in das Reich Gottes
gehört ohne allen Zweifel die Kinderpflege,
wenn es auch nur niedriger Dienst vor den Menschen ist,
vom Herrn ist er gewollt und gekannt.
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Friederike
Wilhelmine Gottliebin Canz wird am 27. Februar 1815 in Hornberg im
Schwarzwald als Tochter des Oberamtsarztes Gottlieb Canz geboren.
Die Geschwister, eine Halbschwester und ein älterer Bruder, verlieren
den Vater im Jahr 1824. |
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Die
zweite Frau des Verstorbenen, Christine Wilhelmine, geborene Cronmüller,
zieht mit den Kindern nach Tübingen. Trotz wirtschaftlicher Not
ermöglicht die Mutter Privatstunden. Und durch eine rege Teilnahme
an dem kulturellen Leben in der Universitätsstadt bekommt Wilhelmine
Canz ein umfassendes Wissen in Kunst und Literatur. |
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Durch den Bruder
Karl, der Theologie studiert, kommt sie mit der Hegelschen Philosophie
in Berührung. Die Auseinandersetzung zwischen dem Gedankengut
der Hegelianer F.T.Vischer und D.F.Strauß und ihrem eigenen
christlichen Glauben findet in den schriftstellerischen Werken von
Wilhelmine Canz ihren Niederschlag: Das Buch "Eritis sicut
deus" (Ihr werdet sein wie Gott) erscheint anonym und erlebt
zwei Auflagen. Der christliche Roman erhält höchste Anerkennung
und entrüstete Ablehnung im 19. Jahrhundert. Ihr Buch "Gibt
es einen lebendigen Gott" wird kaum gelesen.
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"Unsere
Anstalt ist gegründet auf den Glauben an den lebendigen Gott,
darf daher nie eine bloß humanistische sein; wir müssen
uns drangeben, dem Herrn zu dienen, indem wir den Menschen dienen." |
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"Gibt
es einen lebendigen Gott", so formuliert Wilhelmine Canz auch
die Grundfrage ihres Lebens. Die persönliche Antwort und Konsequenz
ist ein engagiertes Leben für einen lebendigen Gott. Angeregt
durch Regine Jolberg, die im badischen Nonnenweier eine Ausbildungsstätte
für Kleinkinderpflegerinnen gegründet hat, sucht sie nach
einer Möglichkeit in Württemberg. Am 17. Oktober 1855 kommt
Wilhelmine Canz nach Großheppach im Remstal. Ein halbes Jahr
später, am 3. Mai 1856, nimmt sie die beiden ersten jungen Mädchen
auf. |
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"Dass
der Herr reden und befehlen kann auf außerordentliche Weise
wo es in seiner Sache und um Kardinalsfragen handelt, das habe ich
erfahren und bin deshalb ein verlässlicher Zeuge. Ich sage es
jedem, dass er lebt und will es jetzt allen sagen, den Gläubigen und
den Ungläubigen, den Treuen und den Spöttern: Es gibt einen lebendigen
Gott! Irrt Euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten!" |
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Die Ausbilungstätte
für Kinderpflege und das Mutterhaus der Großheppacher
Schwestern nehmen ihren Anfang. Um die Kinderschwestern praxisnah
ausbilden zu können, wird in Großheppach eine Kleinkinderschule
gegründet. Wilhelmine Canz wird die erste Hausmutter der Anstalt.
Ständige finanzielle Sorgen begleiten Mutter Canz. Um dieser
Not abzuhelfen, müssen die eintretenden Schwestern für
ihre einjährige Ausbildung ein Kostgeld von 80 Gulden bezahlen.
Die Wertschätzung des vorher kritisch betrachteten Werkes nahm
zu. Olga, die württembergische Königin, verleiht Mutter
Canz 1872 den Olgaorden. Am
15. Januar 1901 verstirbt Wilhelmine Canz, schwer an Krebs erkrankt.
Ihr Leben als Hausmutter ist geprägt von persönlichen
Erfahrungen mit dem lebendigen Gott. Die Worte aus dem Herrnhuter
Losungsbüchlein, sie nennt sie "Tagworte", sind ihr
bei ihrem engagierten, emanzipatorischen Handeln, mit der Sorge
um die Zukunft der jungen Frauen, eine tägliche Hilfe und Orientierung.
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