11.11.2013Stiftung Großheppacher Schwesternschaft

Bibeltage im Herbst

Der unfruchtbare Feigenbaum (Lk 13,6-9)

Mit großer Resonanz und regem Interesse gingen vergangenen Freitag unsere „Bibeltage im Herbst“ zu Ende. Um Sie ein wenig daran teilhaben zu lassen, zeigen wir Ihnen hier einen Ausschnitt aus der Bibelarbeit mit Pfr. Dr. Reiner Strunk am letzten Tag zu Lk 13,6-9, das Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum:

Wir fragen bei diesen Bibeltagen nach der Zukunft. „Das Zukünftige suchen wir!“ heißt ihr Thema.
Was für eine Zukunft hatte der Feigenbaum im Gleichnis, der kraftlos und unfruchtbar geworden war? Hatte er überhaupt noch eine und war er imstande, noch nach einer zu suchen? Eher doch nicht! Doch er bekommt eine Zukunft! Was selber gar keine Zukunft mehr hat und deswegen auch gar keine Zukunft mehr sucht, das bekommt überraschend eine neue Zukunftsmöglichkeit eröffnet. Das ist die Pointe des Gleichnisses. Die Hauptgestalt in diesem Gleichnis ist deshalb nicht der Landbesitzer, auch nicht der Feigenbaum, sondern der Knecht, der Weingärtner. Er ist der Garant für die entscheidende Wende: von der Aussichtslosigkeit zur Hoffnung, von der Todverfallenheit zum neuen Leben. Und wenn wir das so sehen und hören, dann fällt es nicht schwer zu begreifen: Dieser Weingärtner steht sinnbildlich für die Person und für das Wirken Jesu. Der Knecht im Gleichnis, das ist der Knecht Gottes.
Wir können dazu sogar die motivgeschichtliche Verbindung herstellen, wenn wir in das Buch den Zweiten Jesaja hineinschauen. Da ist ja vom Gottesknecht die Rede. Von seiner Bereitschaft zu leiden, wenn er dadurch das tödliche Schicksal seines Volkes zu wenden vermag. Und in Jes 42,3 heißt es wörtlich von diesem Knecht: „Geknicktes Rohr wird er nicht zerbrechen und nur noch glimmenden Docht wird er nicht auslöschen“. Genau dasselbe ist hier im Gleichnis vom Feigenbaum der Fall: Der Knecht will den kraftlosen Baum nicht umhauen. Er will ihm nicht den Rest geben. Er will vielmehr zu heilen versuchen, dem Leben zuliebe. Er will sich einsetzen, dass nicht zu Grunde gehen muss, was da anscheinend schon zum Tode verurteilt wird. Seine Intervention wird deshalb mehr als ein gewagter Spruch seinem Herrn gegenüber. Es wird der Anfang einer großen Anstrengung, die er um des kranken Baumes willen auf sich nimmt. In alledem können wir die Person Jesu wieder erkennen.
Pfr. Dr. Reiner Strunk

Ausdruck vom 20.09.2017
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