11.12.2017Wohn- und Pflegestift

Entbürokratisierung in der Pflegedokumentation

 

Worum geht es?

Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff und dem entsprechenden Begutachtungsverfahren, die schon lange gefordert waren, bringt das Zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) weitreichende Verbesserungen für das Pflegesystem. Für die Pflegepraxis in der Langzeitpflege wird gleichzeitig ein weiteres drängendes Anliegen in Angriff genommen: Schon lange wird der hohe bürokratische Aufwand im Pflegealltag beklagt. Mit der Einführung eines neuen Konzepts zur Pflegedokumentation wird jetzt Abhilfe geschaffen. Für die Entbürokratisierung der Pflegedokumentation wurde gemeinsam mit Expertinnen und Experten und Praktikerinnen und Praktikern das „Strukturmodell“ entwickelt. Nachdem es sich in einem umfassenden Praxistest bewährt hat, erfolgt seit Anfang 2015 die bundesweite Einführung. Mit dem Strukturmodell wird der Dokumentationsaufwand erheblich reduziert, ohne fachliche Qualitätsstandards zu vernachlässigen oder haftungsrechtliche Risiken aufzuwerfen.

Wen betrifft es?

Das Strukturmodell eignet sich sowohl für stationäre als auch für ambulante Pflegeeinrichtungen der Langzeitpflege. Von der Einführung profitieren Pflegekräfte und Pflegebedürftige gleichermaßen, weil durch den Abbau von unnötigem Dokumentationsaufwand mehr Zeit für die unmittelbare Pflege und Betreuung zur Verfügung steht. Seit Beginn der Implementierung machen bundesweit bereits über 8.500 Pflegeeinrichtungen mit, das heißt mehr als ein Drittel aller Einrichtungen (Stand: Februar 2016).

Was ist neu?

  • Die Dokumentationspraxis wird auf einen vierstufigen Pflegeprozess und eine systematische Berücksichtigung der persönlichen Perspektiven der Pflegebedürftigen ausgerichtet.
  • Den Einstieg in den Pflegeprozess bildet die neue Strukturierte Informationssammlung (SIS). In der SIS werden die Wünsche der Pflegebedürftigen, die Beurteilung der Pflege- und Betreuungsbedarfe durch die Pflegefachkraft sowie die individuellen pflegerelevanten Risiken dokumentiert.
  • Die fachliche Beurteilung zur Einschätzung der Pflege- und Betreuungssituation erfolgt anhand von fünf Themenfeldern, in die sich nach Ergebnissen der Pflegeforschung alle relevanten Hilfe- und Pflegebedarfe einordnen lassen.
  • Die Benennung dieser Themenfelder nimmt bewusst Bezug auf die Module des Neuen Begutachtungsassessments (NBA), um die Orientierung der Pflegeeinrichtungen auf den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff zu unterstützen. Die Erfassung des individuellen Pflege.- und Betreuungsbedarfs im Rahmen des Pflegeprozesses nimmt jedoch eine breitere Perspektive ein als die Begutachtung.
  • Das sechste Themenfeld im stationären Bereich liegt der Schwerpunkt auf Aspekten einer individuellen Wohnsituation („Wohnen/Häuslichkeit“).
  • Aus den in der SIS dokumentierten Erkenntnissen ergeben sich im nächsten Schritt die Maßnahmenplanung sowie die Festlegung von Evaluationsdaten.
  • Im Berichteblatt werden vor allem auftretende Abweichungen von der geplanten grundpflegerischen Versorgung und Betreuung dokumentiert – dadurch wird nicht nur „Schreibaufwand“ gespart, sondern tatsächlich relevante akute Veränderungen können schneller erkannt werden.
  • In der Folge kann in der stationären Pflege auf die Einzeldokumentation von wiederkehrenden Abläufen der Grundpflege und Betreuung verzichtet werden, sofern diese im Qualitätshandbuch beschrieben sind.
  • An die Stelle von schematischen Dokumentationsroutinen setzt das Konzept des Strukturmodells auf die fachliche Kompetenz der Pflegenden.

 

Und so gilt es jetzt auch im Wilhelmine- Canz- Zentrum die Entbürokratisierung in Angriff zu nehmen. Schon vor zwei Wochen hatten wir die erste Schulung unserer Fachkräfte durch das Diakonische Institut. Hier wurde der fachliche Inhalt vermittelt den unserer Mitarbeiter/innen im Umgang mit der Entbürokratisierung benötigen. Am 07.12.2018 wurde die zweite Schulung von Seiten unseres Dokumentationsprogramms durchgeführt.

Wie man auf den Bildern erkennen kann rauchen nun die Köpfe der Mitarbeiter/innen, aber wir schauen der neuen Aufgabe positiv und mit viel Motivation entgegen.

                                                                                                                                                                                                                                                                    M.Bischoff (Pflegedienstleiter)

Dokumente & Links

Ausdruck vom 13.12.2018
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